Vintage-Style oder die gute alte Zeit

Wie geht Vintage?

Das Problem mit allen Dingen, die der Willkür von Trends unterworfen sind, ist, dass sie irgendwann total in und nach gewisser Abnutzungszeit wieder out sind.

Da sitzt man Zuhause und schaut fern und wird mit irgendeinem Schuhtrend aus den USA bombardiert, woraufhin man schnell in den Laden fährt, um genau diese Schuhe zu kaufen. Dann stellt man mit Erstaunen fest, dass mal wieder alle Größen, die einem passen würden, ja selbst die Kompromissgrößen, ausnahmslos ausverkauft sind und man rast in den nächsten Laden. Und dann in den nächsten, übernächsten und überübernächsten.

Bis man verzweifelt aufgibt und die Treter einfach online bestellt…in den USA, mit vier Wochen Lieferzeit. Dann wartet und wartet man und gibt die Hoffnung schon auf, bis eines verregneten Samstags der Postbote an der Haustür klingelt.

Aufgeregt rennt man zur Tür, reißt sie mit voller Wucht auf, sodass der arme Postbote durch die Zugluft fast ins Haus stürzt und schnappt sich das Paket. Beinahe vergisst man zu unterschreiben, kritzelt noch irgendwas aufs Display, ist schon im Begriff die Tür zu schließen und im selben Moment die neuen Schuhe anzuprobieren, als einem das Unterbewusstsein befiehlt, nochmal einen Blick auf die Schuhe des jungen Postboten zu werfen.

„Rot?“, wirft man ihm fassungslos, beinahe mit einem Vorwurf, entgegen.

„Ja“, erwidert dieser gelassen, „das ist jetzt voll im Trend!“

„Nehmen Sie Retouren direkt wieder mit?“

„Nein“, lacht dieser vergnügt und zieht einem vor der Nase die eigene Haustür zu.

Ja, und jetzt? Na, liegt doch auf der Hand. Einfach behalten, zwanzig Jahre warten und man hat einen Eins-a-Vintage-Schuh.

Das funktioniert übrigens auch mit Möbeln, Autos und Frisuren. Nur, dass man Frisuren eben zwanzig Jahre lang tragen muss, bis sie hoffentlich irgendwann wieder in Mode kommen. Dazu braucht man schon ein dickes Fell - nicht nur auf dem Kopf.

Tatsächlich wurde der Begriff wahrscheinlich einfach aus der Weinherstellung übernommen, wo er schlicht für den Jahrgang oder die Weinlese steht. Um gleich bei der Analogie zu bleiben: Der frische Wein kommt in Fässer und lagert dort, bis er das gewünschte Aroma entfaltet hat. Die Schuhe kommen in den Schuhschrank, bis jemand, der heute noch zu jung ist, sie zu tragen, in 20 Jahren erklärt, sie seien jetzt wieder in.

Somit müssen Sie nie wieder einen Fehlkauf bereuen, sondern warten einfach, bis er Vintage ist!

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Wann ist etwas Vintage?

Etwas ist dann Vintage, wenn es jemand dazu erklärt oder es durch ausreichend Zeit, echte oder künstliche Abnutzung, Nostalgie oder Marketing dazu wird.

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Wortwörtlich sagt der Begriff schließlich nur aus, dass etwas „alt“ oder „altmodisch“ ist. Wortbedeutung und tatsächlicher Sinn des Wortes klaffen hier also meist auseinander. Denn niemand würde tatsächlich altbackende Kleidung anziehen wollen, es sei denn, es ist wieder Mode.

Ausgewaschene Stoffe, pastellige Farben und künstlich beigefügte Gebrauchsspuren reichen meist schon aus, um den Stil glaubhaft umzusetzen. So wird der Flohmarkt-Charme herbeigeführt, ohne dass der Gegenstand schon durch die Hände etlicher fremder Vorbesitzer gegangen ist, von denen man meist nur den Geruch kennt, der noch daran haftet.

Natürlich wird ein künstlich hergestelltes Vintage-Kleidungsstück oder Möbel nie an das wirkliche, in Würde gealterte Pendant heranreichen. Dies liegt meist schon daran, dass es früher einfach andere Herstellungsprozesse gab, die weniger technisiert waren und vielleicht auch qualitativ anspruchsvoller oder eben weniger.

Darüber hinaus sind sie auch immer Ausdruck des Zeitgeists und beinhalten eine originelle Schönheit, die so vermutlich nie wieder umgesetzt werden kann. Genauso wie das, was wir heutzutage produzieren, in Zukunft als altmodisch und überholt gelten wird, aber vielleicht einen besonderen Reiz bei den Menschen dieser Zeit hervorrufen wird.

Wird also alles, was produziert wird, in Zukunft Vintage sein?

Nein, denn die Vintagewerdung ist chaotisch und völlig unvorhersehbar. Auslöser für einen Vintage-Trend können Meinungsführer, clevere Marketingtricks oder ein kollektives Gefühl von Nostalgie sein, das einem sagt, man hat die Vergangenheit damals einfach nicht in vollen Zügen ausleben können. Ebenso wie jetzt die Kinder der Neunziger, die gerade ins Erwachsenenalter übergehen, diese Zeit ins 21. Jahrhundert zurückholen, weil Sie damals einfach zu jung waren.

Im Gegensatz zu anderen Trends, scheint Vintage nicht auf eine spezielle Modewelle beschränkt zu sein. Zum Beispiel kann es durchaus sein, dass Schuhe, wie sie in den 80er Jahren getragen wurden, wieder völlig in sind, während Vokuhilas den sozialen Selbstmord bedeuten.

Man muss hier also zwischen der eigentlichen Bedeutung des Wortes („altmodisch“) und den mit dem Wort verknüpften Assoziationen unterscheiden. Im Prinzip war also alles, was heute Vintage ist, irgendwann mal neu und modisch, dann altmodisch und schließlich durch die richtigen Umstände wieder modisch…und alt.

Wie werden Vintage-Möbel hergestellt?

Im Prinzip auch nicht anders als normale Möbel. Entweder man nimmt alte Möbel und bereit diese wieder auf oder man stellt neue Möbel her und nutzt diese künstlich ab. Dabei kann man von Anfang an auf altbewährte Muster und Designs aus den 50er, 60er oder 70er Jahren - oder was auch immer einen anspricht - setzen und diese zum Beispiel durch recycelte Materialien wie Leder oder Altholz gebraucht aussehen lassen.

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Bei der Auswahl der Materialien sollte sowieso darauf geachtet werden, dass diese damals bereits in Verwendung waren. Eine Kommode im Kolonialstil des 17. Jahrhunderts sollte nicht unbedingt aus Plastik hergestellt werden.

Eine weitere Möglichkeit wäre die mehrfache Lackierung eines Möbelstücks, welches im Nachhinein mit Schmirgelpapier bearbeitet wird, um es so aussehen zu lassen, als wäre der Lack durch Zeit und Witterung abgeplatzt.

Originalstoffe oder Kopien aus der Zeit machen sich natürlich als Bezüge immer gut. Alternativ kann man den Stoff auch einer Stone-Waschung unterziehen, wobei tatsächlich Steine und Bleichmittel mit in die Waschmaschine kommen, um Abnutzung nachzuahmen.

Ecken, Kanten und kleine Fehler sind durchaus erwünscht, verblichene Farben gelten als Qualitätsmerkmal und große Retro-Drucke verleihen den Möbeln den letzten Schliff.

Vintage bedeutet aber nicht nur, dass ein Möbelstück aussieht wie aus einer früheren Zeit, sondern kann auch einfach bedeuten, dass es gebraucht aussieht. Was oft benutzt wird, scheint ein Lieblingsteil zu sein, ergo ruft es Emotionen hervor, die der Vintage-Style vielleicht künstlich nachahmen möchte.

Egal, ob es nun die Früher-war-alles-besser-Einstellung ist, ein Anflug von schwelgerischer Nostalgie oder der Wunsch, im Trend zu liegen, Vintage hat viele Gründe, funktioniert aber offensichtlich aus einem der einfachsten: menschliche Emotionen.

So, nun aber genug der Schwelgerei in der Vergangenheit!

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